Geschichte des WORLDFISH WIKI

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Die Papier-Phase

Mein DCG-Ausweis

Als ich, Erwin Schraml, im zarten Alter von 16 Jahren Mitglied der Deutschen Cichliden Gesellschaft (DCG) wurde, erhielt ich für meine damals erst seit kurzem vorhandene Sammlung von aquaristischen Journalen, eine Idee.

Ein Blatt der "Cichliden von A-Z" mit Zusatzblatt eigener Ergänzungen

Die monatlich erscheinenden DCG-Informationen hatten nämlich in ihrer Mitte ein herausnehmbares Blatt, mit zwei Kurzbeschreibungen von Buntbarschen, genannt Cichliden von A bis Z. Sie waren gedacht, als Loseblatt-Sammlung zu fungieren. Die Idee war nun, nicht nur diese Blätter zu sammeln, sondern sie auch zu ergänzen und zwar durch Einträge, wo überall in der Literatur, d. h. in der mir zur Verfügung stehenden Literatur, also meinen gesammelten Journalen und einigen wenigen Büchern, noch etwas über die jeweilige Art stand. Da dieses Archiv anfangs einen überschaubaren Bestand und Zuwachs hatte, genügte es für die handschriftlichen Vermerke mit Abkürzungen zu arbeiten. So bekam das "Aquarien Magazin" die Abkürzung "AM", die Zeitschrift "Das Aquarium" "DA" und so weiter. Manche Journale hatten ihre Abkürzungen ohnehin schon selbst gewählt, wie z.B. die "DATZ" oder die "TI". Schon nach kurzer Zeit wurden für Fischarten, für die es noch kein gedrucktes Blatt aus den DCG-Informationen gab, für Cichliden einfach ein leeres Blatt mit nur den Literaturhinweisen erstellt. Für Nicht-Cichliden entwickelte ich ein eigenes System mit kleinen Dateikarten. So wuchs langsam aber beständig eine bibliografische Datensammlung über Literaturstellen von Fischarten, die zusätzlich die Funktion bekam, auch meine stetig wachsende Sammlung von Fisch-Dias zu verwalten.

Beispiel für ein Blatt der Loseblattsammlung, dem sog. "Holly/Meinken/Rachow"

Loseblatt-Sammlungen hatten in der aquaristischen Literatur eine lange Tradition. Schon vor dem 2.Weltkrieg, gab es den berühmten Holly/Meinken/Rachow: Die Aquarienfische in Wort und Bild. Diese Loseblattsammlung erschien zwischen 1935 und 1966 in insgesamt 127 Lieferungen. Es handelt sich um ein frühes Standardwerk der Aquaristik mit Verbreitungskarten und teilweise farbigen Einzelbildern, Informationen zu Heimat, Morphologie, Pflege und Zucht, sowie einer Übersicht weiterführender Literatur zu unzähligen Familien und Arten von Aquarienfischen.

Erste Ausgabe des VILAUS

Interessanter Weise hatten auch zwei Aquarianer des Aquarienvereins Amazonas München eine ganz ähnliche Idee wie ich, die sie sogar veröffentlichten. Das waren Gerhard Faißner und Wolfgang Malek. Mit dem VdA als Geldgeber, erschien 1991 ein erstes Mal in gedruckter Form ihre „Aquaristische Literatur Auskunft“. Jeder Aquarianer in ganz Deutschland, der in einem Verein war, der dem VDA angeschlossen war, erhielt dieses Werk kostenlos. Es war von der Datenerfassung her im Prinzip ganz ähnlich aufgebaut, wie meine Karteikarten, sogar die verwendeten Abkürzungen waren größtenteils identisch. Hinzu kam, dass es sowohl Fische als auch Terrarientiere und sogar Pflanzen in jeweils eigenen Kapiteln erfasst hatte. Auch waren in diesem Werk sehr alte Literaturangaben, natürlich nicht vollständig, aber immerhin erfasst worden, wie zum Beispiel alte Wochenschriften. Nachteile waren, dass es im Prinzip schon veraltet war, als es verteilt wurde, weil kaum Platz für Ergänzungen blieben und dass es keine Synonyme bzw. Interpretierung der Synonyme beinhaltete. Z.B. eine Malawibuntbarsch-Art, die vielleicht einmal Haplochromis xy hieß, war zwar als solche zu finden, aber kein Hinweis darauf, dass diese Art nun vielleicht in einer anderen Gattung steckte. Diesen Umstand, dass sich die Taxonomie der Fische ständig verändert, hatte ich bereits in meinem Karteikarten-System früh berücksichtigt. Es gab extra andersfarbige Karteikarten, die nur den Namen des Synonyms und das aktuell gültige Taxon erfasste.

Rückseite einer Karteikarte, im Beispiel von Nothobranchius rachovii
Beispiel einer Dateikarte für ein Synonym
Die schiere Anzahl der Karteikarten wurde irgendwann zunehmend zu einem Problem


Das Computerzeitalter war angebrochen

Ende der 1980-er Jahre war die Karteikartensammlung aufgrund ihrer Größe etwas unübersichtlich geworden und auch das Computerzeitalter war angebrochen. Ich bastelte also bereits kräftig an einer Computerdatenbank. Mir war mit dBase und später Clipper ein Datenbank-System empfohlen worden, das meine Bedürfnisse zur damaligen Zeit befriedigte.


Startbildschirm des DOS-Programms
Das erste Auswahlmenü
Beispiel für die Darstellung eines Literaturzitats aus einer chronologischen Liste

Wer sich zurück erinnern kann, wird feststellen, dass Windows als Benutzeroberfläche für Computer, zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte. Windows 93 (nach der Jahreszahl 1993 benannt) war das erste Windows das auf den Markt kam und eigentlich noch nicht richtig funktionierte. Mein Programm war deshalb noch als DOS-Programm, also ohne grafische Benutzeroberfläche entstanden und auch ohne Maus-Unterstützung. Die brauchte man damals noch nicht. Mit den zur Verfügung stehenden Grafikzeichen (richtige Grafik gab es noch nicht) war nur Platz für neun Buchstaben, so wurde WORLDFISH daraus.

Platz war damals überhaupt ein großes Problem. Meine erste Festplatte auf dem PC hatte gerade einmal 20 MB. Auch das was auf dem Bildschirm dargestellt werden sollte, musste Zeichen für Zeichen genau berechnet werden. Aber 1990 war es erstmals soweit. Mit großem Stolz präsentierte ich auf dem Europäischen Ichthyologen Kongress in Den Haag die erste Version meines Programms. Ich hatte die Vorstellung, dass auch andere dieses Programm würden nutzen können, hatte es doch vielfältige Funktionen und war nicht nur zur reinen Datensammlung bestimmt. In Den Haag lernte ich auch Bill Eschmeyer kennen, der mir erzählte, dass er an einer wissenschaftlichen Datenbank arbeitete, die alle Fischarten, die je beschrieben wurden, erfassen sollte. Mit guter personeller Unterstützung arbeitete er bereits seit geraumer Zeit daran und im selben Jahr erschien auch das erste Ergebnis in Buchform "Catalog of the Genera of Recent Fishes". 1998, ebenfalls noch in Buchform (dreibändig) erschien dann von ihm der "Catalog of Fishes". Es sollte die einzige gedruckte Version bleiben, denn es wurde früh erkannt, dass die stete Zunahme neuer Arten und noch auffindbarer bisher nicht gefundener Taxa, jede gedruckte Version einer solchen Datenbank stets bereits bei Erscheinen veralten lassen würde. Das war auch eines der Probleme meines Programms und das von VILAUS. So hieß nämlich von da ab die „Vivaristische Literatur-Auskunft“, die aus der Datensammlung von Faißner & Malek, nun ebenfalls als Computer-Programm (erstmals 2009) erschienen, geworden war. Während VILAUS noch immer, auch 2019 noch, nur die Abkürzungen der Literaturstellen mit der Seitenzahl speichert, hatte ich schon früh ein vollständiges Literaturzitat eingeführt, d.h. es wurden auch der/die Autor(en), der Titel der Arbeit und der komplette Name des Journals erfasst. Die Arbeiten wurden automatisch in chronologischer Reihenfolge aufgelistet. Es war möglich mittels Symbolen, auf häufig vorkommende Textinhalte, was heute als Keywords bezeichnet wird, hinzuweisen und damit konnte in der Auflistung bereits ein Hinweis auf die im Text eines Artikels behandelten Themen gegeben werden. Natürlich wurden auch in der Computer-Datenbank die Synonyme eingepflegt, die auf die aktuellen Taxa verlinkt wurden. So konnte auch nach Gebrauchsnamen gesucht werden. Bei Mehrfachverwendung musste eine Auswahl getroffen werden. Es wurde nun auch ein hierarchisches System eingeführt, d.h. mit jedem Gattungsnamen war klar, zu welcher Familie diese gehört und damit zu welcher Ordnung, Klasse usw. und den dazwischen liegenden Ober- und Unterkategorien. Eine geplante Funktion, die aber wieder verworfen wurde, war es, den Fundort einer Art separat zu verwalten, weil einmal angedacht war, dann eine Liste der Arten erstellen zu können, die in einem bestimmten Gebiet leben. Es wäre nützlich gewesen, machte aber soviel Arbeit, dass ich es als einzelne Person nicht verwirklichen konnte.

Mein Diaarchiv und später die digitalen Aufnahmen konnte ebenfalls mit dieser Datenbank verwaltet werden.

Das Vorkommen einer Art wurden Begriffsweise eingegeben, die damit geplante Funktion kam aber nie zu Stande
Für jede Art konnte angezeigt werden, in welchem hierarchischen System sie eingeordnet war
Im Programm konnte entweder nach Gattungs- oder Artnamen geordnet gesucht werden, es brauchten auch nur soviele Buchstaben eingegeben werden, die man sicher wußte

Das Internetzeitalter

Aber es kam, wie es kommen musste, es zeichnete sich ab, das DOS nicht ewig von Windows unterstützt wird. Zwar läuft ein DOS-Programm auch heute noch in der sogenannten DOS-Box, aber glücklich wird man damit nicht mehr. Der Komfort lässt zu wünschen übrig. Zwar hatte Clipper einen zaghaften Versuch unternommen, in die objektorientierte Programmierung zu wechseln, scheiterte aber. Zunächst war deshalb angedacht worden, mit Delphi eine Windows-Datenbank zu bauen, aber ich hatte nicht mehr die Zeit, mich in eine neue Programmiertechnik einzuarbeiten. Es sollte bis zum Jahr 2010 dauern, als ein Freund eines meiner Söhne, sich bereit erklärte, zu versuchen, die bestehende dBase-Struktur in ein Wiki zu verwandeln. Aber es sollte sieben Jahre dauern, bis es soweit war und wenigstens die Basics des alten Programms in ein Wiki übernommen waren. Leider blieben dabei die Keywords, also die Inhaltshinweise auf der Strecke. Auch sind die Literaturstellen nicht in chronologischer Form aufgelistet, aber ein Anfang ist gemacht. Die Lücke der aquaristischen Artikel dieser Jahre ist noch lange nicht geschlossen, überhaupt ist das Wiki weit davon entfernt, so vollständig zu sein, wie der Catalog of Fishes. Dafür aber wurde damit begonnen auch fossile Fischarten zu verwalten. Es hat die Möglichkeit Bilder der Arten wieder zu geben, kann zu anderen Internetseiten verlinken auch zu solchen mit Video-Inhalten, wie etwa Youtube oder es kann zu Google Maps verlinkt werden um einen Fundort anzuzeigen. Überhaupt könnte es ein Atlas jeder Fischart werden, sozusagen eine digitale Loseblattsammlung. Und es muss nicht veralten, wenn stets daran gearbeitet wird. Mitarbeiter sind gewünscht!